Herr Böhm vom Bayerischen Blindenbund besuchte die 6. Klasse

Blind sein ist eine Behinderung, die sich jeder von uns auf die einfachste Weise in Erfahrung bringen kann. Aber wer käme schon auf die Idee, dies auszuprobieren. Wer will mit geschlossenen oder verbundenen Augen durchs Dorf gehen, Bus fahren oder gar mit Langlaufschiern in eine Loipe gehen. Wie schnell reißt ein Kind die Binde ab, wenn seine Rolle im Spiel als „Blinde Kuh“ gespielt ist. Keines will sie länger als nötig anbehalten.
In der letzten Schulwoche wurde unseren Sechstklässlern sehr nahe gebracht, was es für einen Menschen bedeutet, nichts mehr sehen zu können; aber dies endgültig.
Nach Lehrplan in Biologie (PCB) erfahren die Kinder der 6. Klassen noch einmal ausführlich über Funktion und Bedeutung der Sinnesorgane und Folgen bei deren Verlust. Auch der Umgang mit behinderten Menschen kommt dabei deutlich zur Sprache.
So wurde Herr Böhm aus Durach eingeladen, den schon Heranwachsenden von seinen Erfahrungen als Blinder zu berichten. Herr Böhm macht solche Schulbesuche auch im Rahmen eines Informationsprogramms des Bayerischen Blindenbundes.

Als Vorbereitung auf diesen Besuch stellten sich alle Schüler auf einer Audio-CD Herrn Böhm vor. Sie beschrieben ihr Äußeres, berichteten über ihre Hobbys, Berufswünsche und was sie sich von Herrn Böhms Besuch erwarteten.

Herr Böhm war hocherfreut über diese Botschaften und hatte sich somit ein für ihn klares Bild von unserer 6. Klasse gemacht. Eine "Berührungsangst" der Schüler war somit gar nicht aufgekommen, da Herr Böhm seine Gesprächspartner ja bereits kannte.

Für die Kinder war diese Begegnung nun viel mehr als eine gewöhnliche Schulstunde, nur mit einem anderen Lehrer. Sie konnten hautnah einen blinden Menschen in seiner Persönlichkeit erleben und haben sehr schnell gespürt, dass Herr Böhm ihnen gegenübertritt wie jeder andere auch. Ganz natürlich redet, erzählt, lacht und Witze macht.

Er berichtete uns, wie er blind wurde und wie er seine anderen Sinne ausbilden musste, um mit dem Verlust seiner Sehkraft fertig zu werden. Er wollte lernen nicht nur ein einigermaßen normales Leben zu führen, sondern auch erfolgreich einen Beruf auszuüben. Den Kindern wurde wohl bewusst, wie schlimm es ist, das Augenlicht zu verlieren, aber es wurde ihnen klar, wie ein Mensch trotz eines solchen Schicksals nicht aufgibt, sondern auch als Blinder nach vorn blickt und Künste erlernt, die ein Sehender gar nicht so einfach begreifen kann.

Die Begegnung mit Herrn Böhm hat den Kindern auch gezeigt, dass ein Blinder sich auch deshalb ausgegrenzt fühlt, weil die meisten nicht genau wissen, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollen. Alle begriffen: Ein Blinder nimmt in bestimmten Situationen Hilfe gerne an, er mag es jedoch nicht, wenn ihm Hilfe aufgedrängt wird, die er gar nicht braucht;  und …. ein freundlicher Gruß bei einer Begegnung mit Herrn Böhm freut ihn genauso wie jeden anderen.

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